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Design & Function #1

  • heikowarnecke
  • 14. Jan.
  • 7 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 19. Jan.

Design follows Function

Ein über 100 Jahre alter sinnvoller Leitsatz


Leider müssen wir immer wieder feststellen, dass Architekten, Designer, Produktentwickler, Marketing Firmen, Entscheider die Funktionalität in den Hintergrund gerät, zum Teil gefühlt gar nicht berücksichtig wird.


Das Design steht weit im Vordergrund.


Zum Teil wird dabei jedoch nicht einmal gesehen, dass die Nutzung am Ende das eigen bewußt gewählte Design negativ beeinflusst.


Auf dieser Seite gebe ich Ihnen ein paar Beispiele:


  • TUI Mein Schiff RELAX (2025)

    USB C- Anschluß in den Leselampen über dem Bett integriert

    USB C Anschlüsse über den Betten auf der neuen Mein Schiff RELAX
    USB C Anschlüsse über den Betten auf der neuen Mein Schiff RELAX
USB Anschluss (rechte Bettseite)  nach innen zur Bettseite
USB Anschluss (rechte Bettseite) nach innen zur Bettseite

Wenn man auf den Youtube Channel von TUI Mein Schiff geht, wurde dieses Design Element extra erklärt und als besonders dargestellt.


Spielen wir es einmal, wie auf dem 2. Bild, ganz einfach und schnell durch:

  • neuere Smartphones haben nur noch einen USB C Anschluß, "ältere" einen herkömmlichen, so dass ich ohne Zusatzadapter den Großteil der Smartphones aktuell dort nicht einfach anschließen kann (dafür gibt es dann normale Steckdosen). Zukunftsorientiert ist dieser Schritt nachvollziehbar, da wahrscheinlich in 10- 15 Jahren der Großteil der Smartphones dann nur noch einen entsprechenden USB C Anschluß haben.

  • Habe ich nun ein passendes Smartphone, schließe ich es dort mit meinem Kabel an... und wo führt das Kabel hin: Direkt unten ans Bett, auf der linken Bettseite sogar über das Kopfkissen. Jetzt kann ich nur hoffen, dass es lang genug ist, dass ich es überhaupt auf den darunter liegenden Nachttisch ablegen kann.

    Ist es zu kurz, werde ich es wohl oben auf die Lichtleiste legen.

  • Somit ergeben sich 2 optische Varianten:

    • ein Kabel, das von der Lampe herunter hängt, mich evtl. sogar im Bett liegend oder sitzend stört und ich es nachts unbewußt herunter reiße

    • ein Smartphone, das auf der dekorativen Lichtleiste liegt, falls es dahinter paßt.


Egal, wie ich es nutze, es durchbricht das Bett- Rückenwand Design und sieht einfach nicht optimal aus.


WARUM DIESE POSITION?


Wie man am rechten Bettrand sehen kann, gibt es dort eine Steckdose. Hier gibt es seit langem kombinierte Steckdosen mit USB Anschluß.


Der "Links- Schläfer hat sogar richtig Pech, denn er hat anscheinend gar keine Steckdose.



Vielleicht stört es am Ende weniger Menschen, doch müssen wir beachten und betrachten, dass sich hier ein großes Design Team Gedanken gemacht hat und eine Lösung konzipierte, die sich selber im Design behindert und nicht optimal funktionabel ist und es mehrere andere optimalere Lösungen geben hätte können!


Hier hätte man einfach in die Rückwand entsprechende Dosen integrieren können oder noch optimaler in die Nachttische.






  • AIDA - Evolution


AIDA hat mit seinem Programm Evolution für die kleinsten und ältesten Schiffe ein phantastische Auffrischungskur ins Leben gerufen, die über das normale Maß hinaus geht.


Nicht nur Renovierungen, sondern vor allem auch komplette Neugestaltungen stehen hier im Fokus.

Soweit erreicht es AIDA diese Schiffe fast neu zu gestalten und deren Charme und Vorliebe vieler Kreuzfahrer nicht nur zu erhalten, sondern auf ein neues noch höheres Level zu bringen.


Ältere, mittlerweile zum Teil weniger frequentierte Bereiche werden komplett neu designt und durch neue oder von den größeren AIDA Schiffen integriert.


Ein in dieser Branche einzigartiges Programm, für das AIDA einiges an Geld investiert und das aus unserer Sicht mit phantastischem Erfolg.


Dennoch gibt es auch hier Punkte und Umsetzungen, die nicht nur nicht gelungen sind, sondern negativen Einfluß auf das Gesamterlebnis haben:


Die größte Neugestaltung mit dem größten negativen Einfluß auf mehrere Bereiche ist die neue Lania Bar auf diesen Schiffen.


Besonders zu beachten ist hier ein Phänomen, was es oft, zu oft gibt: Die anfänglichen Pläne und vor allem Visualisierungen stehen konträr zu dem, was dann in der Realität umgesetzt wird.


Hat man in den ersten Ansichten noch den Eindruck, dass man genau das berücksichtigt, was man dann später schlecht umsetzt, fragt man sich, warum?!


Es geht um das typische Dach der Lanai Bar, wie man sie von den großen Schiffen der Flotte kennt.

Die Ergänzung der Bar ist ein phantastischer Schachzug und auch grundsätzlich gelungen.


Betrachten wir jedoch das Dach, so kommen wir schnell auf 2 Punkte: Visualisierung und Umsetzung sind nicht nur nicht gleich, sondern die Umsetzung bringt erhebliche Nachteile mit sich:


Der Entwurf:

Bild AIDA Pressestelle


Das Zelt förmige Dach ist mit ein Markenzeichen der Lanai- Bar, wobei es, im Gegensatz zu den großen Schiffen, Dachspitzen hat und keine Zylinder- Vertiefungen.


In dieser Vorschau ist zu erkennen, dass es dennoch flach gehalten ist, das darüber liegende Deck nicht überragt, auf dem ebenfalls ein Außen- Sitzbereich ist.



Und hier nur die Umsetzung in der Realität:

Bilder: Youtube AIDA


Hier ist klar erkennbar, dass das Zelt weit aus höher ist, als auf den Entwürfen.

Es ragt nicht nur über die Reling des darüber liegenden Daches, sondern ist sogar an den 2 höchsten Punkten genauso hoch, wie das obere Deck. Zudem ist es in seiner Gesamtheit weitläufiger und breiter.


Damit ergeben sich elementare Sichteinschränkungen, sowohl für das Deck eine Etage höher, als auch sogar darüber.


Die Außenterrasse des darüberliegenden und neuen Frensh Kiss an Bord hat damit erhebliche Sichteinschränkungen, nicht nur der 2 Erhöhungen, sondern auch ganzheitlich durch das gesamte Dach:


Bild: Youtube


Woanders, nicht auf einem Kreuzfahrtschiff, könnte man sagen, das ist doch egal, jedoch an einem Ort, an dem die Aussicht mit zum elementaren Erlebnis gehört, egal ob auf die See oder eine Stadt oder die Landschaft, ist solch eine Einschränkung nicht nur unschön, sondern eine große Einbuße, was das Erlebnis und die Besonderheit eine Kreuzfahrtschiffes betrifft.


Allein der Blick aus dem Inneren des Restaurant läßt die schiere Größe des Daches erkennen und das Eintauschen eines freien Blicks gegen ein Zeltdach ist eine große Verschlechterung.


Früher die besten Plätze im Außenbereich, direkt an der Reling mit freiem Blick aufs Meer oder einen Fjord oder die Skyline eine der vielen Destinationen, blickt man jetzt stets auf ein Dach oder hat sogar, wie auf dem Bild, fast gar keinen Blick mehr auf die Umgebung.


Bild: Youtube


Hier hat AIDA, neben all den wunderbaren Verbesserungen, nicht nur eine schlechte Wahl der Umsetzung gefunden, sondern sich selber in der eigenen Definition und dem Anreiz, dem Vorteil einer Kreuzfahrt ein Alleinstellungsmerkmal genommen.

Aus unserer Sicht eine zu große Erlebnis- Einbuße, die nicht nötig gewesen ist!


Es gab, selbst wie auf den eigenen ersten Konzeptdarstellungen, andere Möglichkeiten, zumal die Konzeptplanung zu Beginn genau diesen Fehler anscheinend vermeiden wollte.


Schade, denn alle anderen Umbauten sind AIDA außerordentlich gut gelungen und sie haben ältere Schiffe quasi erneuert.


Dies ist ein gutes Beispiel dafür, dass zum einen in der Entwicklungs- & Projektierungsphase oftmals besser geplant wird und die Umsetzung dann genau solche Fehler macht, die man zuvor oder zu Beginn noch berücksichtigt hat.


Unabhängig davon, ob dies nun die einzig reale Umsetzungsvariante war oder nicht, gilt bei Projekten, oder sollte sie: Umsetzungen, wenn sie am Ende doch nicht möglich sind, überdenken, Vor- & Nachteile abwägen und manchmal muss man dann auch eine Idee verwerfen, anstatt sie bedingungslos durchzuboxen.







Offene Bäder


Zum teil immer beliebter, von uns privat, als auch beruflich gemieden:


Das Bad durch Verglasungen in das Hotelzimmer zu öffnen und damit das Zimmer an sich größer wirken zu lassen ist grundsätzlich eine spannende Lösung, wenn sie richtig umgesetzt wird.


Nun kann man sagen, dass in einem Doppelzimmer eher Paare wohnen und die Privatsphäre da weniger ein so entscheidende Rolle spielt, wie z.B. bei Arbeitskollegen oder Freunden.


Wie gesagt, die Umsetzung macht den Unterschied.


Wir unterschieden hier in 3:

  • einfach nur ein Teil oder ganz verglast mit einer vollwertigen Tür

  • mit einer Schiebetür

  • mit oder ohne integrierter Toilette


In der Regel ist der Duschteil des Bades zum restlichen Zimmers hin durch Verglasung geöffnet und diese kann durch verschiedene Arten blickdicht verschlossen werden.


Soweit alles gut.


Doch dann gibt es Umsetzungen, die nicht vollends abgeschirmt werden können, sogar komplett verglast sind, inkl. WC:


Offenes, komplett verglastet Bad mit WC.
Offenes, komplett verglastet Bad mit WC.

Hier kann z.B. das Bad nur komplett abgeschirmt werden, wenn man den Vorhang komplett über die gesamte Zimmerbreite zieht.

Selbst wenn man den Zimmer- Partner beim Duschen zuschauen kann oder den Vorhang dann zumindest vorne zum Teil zuziehen kann, so sind wir davon überzeugt, dass niemand, auch seinem Partner beim Toilettengang zusehen möchte.


Somit muss derjenige dann immer den Vorhang in voller Breite zuziehen, um ungestört aufs WC gehen zu können.


Dabei hat er dann auch noch eine reine Glasschiebetür, die akustisch auch nicht optimal ist.



Schiebetüren

Raumersparnis oder doch nur Design Trick


Egal wie, sobald sich dahinter das WC befindet, denn mit einer Schiebetür erreicht man nicht die akustische Abschirmung, wie mit einer herkömmlichen Tür und in den meisten Fällen sind Schiebetüren sogar kostenintensiver.


offener und öffentlicher geht es nicht. Privatsphäre quasi gleich Null.
offener und öffentlicher geht es nicht. Privatsphäre quasi gleich Null.

Unser Paradebeispiel und dies in einer Suite.


Einzig allein mittelhoch angebrachte Milchglas- Streifen "verwischen" die Sicht auf Duschende oder diejenigen, die auf dem WC sitzen und dies auch noch direkt am Kopf des Bettes mit einer damit perfekten Sicht auf den Sitzenden.



Waschbecken im Zimmer


Eine offenere Gestaltung kann sicherlich eine angenehmere Atmosphäre erschaffen.


Wenn jedoch auch hier die Funktionalität dann im Wege steht, sollte man andere Wege gehen.

Ins Zimmer integrierte Waschbecken sehen vielleicht nur schick aus, doch sind sie bei optimaler Hygiene insbesondere Nachts hinderlich und kontraproduktiv und störend.


Gehen wir davon aus, dass man sich nach jedem Toiletten Gang die Hände wäscht, tut man dies dann mitten im Zimmer und am besten dann auch noch mit Licht, so dass der Partner erst durch mögliche Geräusche durch die dünne Glasschiebetür wach wird, oder spätestens dann beim Händewaschen und dem Licht im Zimmer.






UNSER FAZIT


Man kann es kurz & knapp sagen:


Manchmal muss man das Rad nicht neu erfinden und wenn doch, dann sollte man es mit bedacht machen und den Nutzung & die Nutzung bedenken und dies für diejenigen, die es eben nutzen.


Nur schick & besonders aussehen ist nicht alles!




Wir stellen Design & Funktion in die optimale Kombination und erschaffen Wohlfühlwelten mit Wohlfühlfaktor und dem WOW oder AHA Effekt!


Der Mensch steht stets im Mittelpunkt und das Erlebnis, wie es genutzt wird, von Ihren Gästen!

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